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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Aufpassen beim Reifenwechsel

In der Hektik wird gepfuscht: Fehler beim Reifenwechsel

Zeit ist Geld, vor allem in der Autowerkstatt. Das verführt viele Kfz-Mechatroniker leicht dazu, beim Reifenwechsel ein paar Grundregeln außer Acht zu lassen.

Höchste Konzentration erforderlich: Bei der Reifenmontage können sich viele Fehler einschleichen

Foto: AUTOtäglich
In der Formel 1 dauern Reifenwechsel inzwischen weniger als drei Sekunden. So schnell hätten es auch viele Werkstattleiter gern, denn je mehr Kunden er pro Stunde bedient, desto mehr Umsatz macht er. Das führt in der Praxis dazu, dass viele Mechaniker beim Radwechsel und der Reifenmontage fünfe gerade sein lassen, falsche Werkzeuge benutzen, Arbeitsschritte abkürzen oder ganz weglassen – der normale Kunde wird schon nichts merken. Tatsächlich aber sind Beanstandungen wegen Laufunruhe, Unwuchten und Vibrationen im Lenkrad Resultat solchen Murkses. Doch woran erkennt ein Laie, dass die Reifenwerkstatt pfuscht? 1. Häufigster Fehler: Beim Anschrauben des Rades am Fahrzeug benutzt der Monteur einen Luft- oder Schlagschrauber.Schon beim Eindrehen der ersten Schraube verkantet sich das Rad auf der Nabe, weil solche mechanischen Schrauber viel zu kräftig sind. Auch beim Eindrehen der folgenden Schrauben zieht es sich nicht mehr gerade. Folge: Das Rad eiert leicht. Außerdem besteht die Gefahr, dass auch Bremsscheiben oder -trommeln sich bei solchen Gewaltaktionen verziehen.Und so wird’s richtig gemacht: Radschrauben von Hand ansetzen und mit einem Kreuzschlüssel handfest anziehen. Dann mit einem Drehmomentschlüssel auf den richtigen Wert festziehen. 2. Der Drehmomentschlüssel wird als Hebel missbraucht.Oft zu beobachten: Der Monteur zieht die Schrauben nach und obwohl der Drehmomentschlüssel bereits deutlich hörbar ausgelöst hat, wird die Schraube weiter gewürgt. Das richtige Drehmoment – je nach Pkw zwischen 90 und 120 Nm – wird dabei deutlich überschritten, Schäden an Schrauben, Radnabe und Bremsanlage sind möglich. Im Extremfall kann das Rad sogar abreißen.Und so wird’s richtig gemacht: Schrauben über Kreuz in einem Zug ohne abzusetzen anziehen, bis der Drehmomentschlüssel knackt. 3. Die Schrauben werden nicht korrekt über Kreuz angezogen.Oft falsch gemacht bei Felgen mit Fünfloch-Befestigung: Viele Monteure ziehen die Schrauben der Reihe nach an. Das ist falsch, denn dabei verkantet sich das Rad. Es eiert, ein sauberer Rundlauf ist unmöglich.Und so wird’s richtig gemacht: Bei Fünfloch-Befestigung werden die Schrauben in der Reihenfolge 1-3-5-2-4 angezogen, nur so wird ein gleichmäßiger Anpressdruck an der Nabe erzielt. 4. Bei der Reifenmontage werden die Felgen auf den Boden geworfen.Leider häufig zu sehen: Nach dem Abziehen des alten Reifens werden die Felgen – egal, ob Stahl oder Alu – auf dem Beton- oder Fliesenboden der Werkstatt zwischengelagert. Dabei wird die lackierte Oberfläche oft bis aufs Metall beschädigt, schnell kommt es zu Korrosion. Das ist ärgerlich, auch wenn nur die Rückseite betroffen ist. Denn auch dort führt Korrosion über kurz oder lang zu Luftverlust und Schwierigkeiten bei der Hauptuntersuchung.Und so wird’s richtig gemacht: Bei einem richtig geplanten Arbeitsablauf bleiben die Felgen nach dem Abziehen des Altreifens gleich zum Aufziehen des neuen auf der Montiermaschine, ein Verkratzen ist damit weitgehend ausgeschlossen. 5. Der Setzdruck wird nicht eingehalten.Ist der neue Reifen auf die Felge montiert, wird er zum ersten Mal mit Luft befüllt. Dabei knallt es zwei Mal laut, wenn die Wulst des Reifens über den Hump der Felge springt. Viele Monteure beenden nach dem zweiten Knall den Füllvorgang in der Annahme, der Reifen säße nun korrekt. Das trifft aber nicht zu, denn für Pkw-Reifen gilt ein Setzdruck von 3,5 bar. Erst bei diesem Wert schmiegt sich das neue Gummi perfekt an die Felge und schafft so die Voraussetzungen für perfekten Rundlauf. Die meisten Beanstandungen wegen Höhen- oder Seitenschlag haben ihre Ursache in zu geringem Setzdruck.Und so wird’s richtig gemacht: Beim ersten Aufpumpen eines neuen Reifens in einem Zug einen Druck von 3,5 bar anstreben und ein paar Sekunden halten, nur so legt sich der Reifen optimal auf die Felge. Anschließend den richtigen, zum Fahrzeug passenden Reifendruck einstellen. 6. Fehler beim Auswuchten.Normalerweise erlauben moderne Wuchtmaschinen so gut wie keine Fehler mehr. Trotzdem sieht man immer wieder Fahrzeuge mit riesigen Ansammlungen von Auswuchtgewichten herumfahren. Dabei wird für normale Pkw-Räder ein maximales Gewicht von 60 Gramm pro Rad angenommen; für sehr große Räder wie an SUV und Geländewagen bis zu 150 Gramm. Sind größere Gewichte nötig, um das Rad zu beruhigen, muss der Monteur nach der Ursache forschen.Und so wird’s richtig gemacht: Werden zum Auswuchten mehr Gewichte als üblich benötigt, ist etwas faul. In aller Regel hilft dann ein Matchen des Rades, die schwerste Stelle des Reifens wird exakt gegenüber der schwersten Stelle der Felge positioniert. Im Idealfall heben sich beide Schwerpunkte auf. Liegt der Fehler jedoch eindeutig bei Reifen oder Felge, müssen diese beim Hersteller reklamiert werden. 

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